Windhunde in Not arbeitet erfolgreich zusammen mit anderen Tierschutz-Organisationen, wie zum Beispiel Pro Lévrier aus der Schweiz. Pro Lévrier bat uns einen „temperamentvollen Afghanen“ mit auf unsere Liste zu nehmen (2003). Hier ist seine Geschichte:

Papageno, der temperamentvolle Afghane

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Als im Mai 2003 nach einem Spaziergang am Strand in Noordwijk mein außergewöhnlicher, geliebter Rudelchef, Thomas, an einer Thrombose im Hinterbein starb, war ich total erschüttert. Bisher waren alle meine Afghanen in hohem Alter gestorben, und der Tod eines knapp 8-jährigen Afghanen, der bis zu seinem Todestag kerngesund  war, hat mich irgendwie sehr mitgenommen.  Es dauerte ein paar Monate bevor ich mich überhaupt für einen Nachfolger interessieren konnte.

Aber der Tag kam, als mir plötzlich bewusst wurde, dass bei Pro Lévrier und bei Windhunde in Not e.V. schon seit längerer Zeit ein 2-jähriger Rüde auf der Liste der zu vermittelnden Hunde stand. Er wurde als ein temperamentvoller Kerl beschrieben, und das konnte man auch deutlich auf seinem Foto sehen. Ich wusste aber, dass Scott, so hieß er, der richtige Afghane für mich war. Die Frage war eigentlich mehr, ob er auch für meine Lebensgefährtin, eine Irish-Wolfhound-Frau mit Leib und Seele, der richtige Hund war. Ein Besuch wurde geplant.

Unterwegs nach Salzburg fuhren wir im August 2003 nach Zürich, um Scott zu besuchen. Wir trafen Frau Schmidlin am Bahnhof von Kloten und sie fuhr mit uns zum Tierheim. Ich war auf Anhieb von Scott begeistert, aber was mich total umwarf war seine Begeisterung für Eleonora, meine Lebensgefährtin, die zu dem Zeitpunkt mühsam an Stöcken lief. Er begrüßte sie als wäre sie eine lang verlorene Freundin und setzte sich sofort zu ihr. Mich fand er weniger interessant; er ging aber trotzdem mit mir spazieren. Als wir zurückkamen, schmiss er sich sofort wieder an Eleonora und ließ sich ausführlich von ihr streicheln. Alles klar, wir waren fest entschlossen, ihn auf dem Rückweg von Salzburg abzuholen. Er schien erst ein wenig enttäuscht, als wir uns von ihm verabschiedeten, aber dann stand er ganz brav in seinem Zwinger und guckte nur als wir wegfuhren.

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Zehn Tage später ging die Route zurück nach Holland wieder über Zürich. Frau Schmidlin erzählte uns alles, was sie über Scott wusste, kümmerte sich um den Papierkram und dann waren wir so weit. Frau Maier, die Tierheimleiterin, holte Scott übergab ihn uns und gab uns noch einen guten Ratschlag „Bürsten nur mit Maulkorb!“ Scott schien nicht mal überrascht, dass wir wieder da waren. Er begrüßte uns allerdings herzlich und hüpfte elegant ins Auto, Frau Schmidlin verabschiedete sich von ihrem „Bubeli“ und wir fuhren los. Ein neues Leben fing an.

Scott fand seinen Namen anscheinend nicht besonders gut gelungen und tat als ob er uns nicht hörte, wenn wir ihn Scott riefen. Wir versuchten ein paar Namen und bei „Papageno“ hob er seinen Kopf, als ob er sagen wollte „Na, endlich“.  Und so hieß er Papageno. Die Reise war lang, aber er verkraftete sie als sei er gewohnt, stundenlang mit zwei fremden Frauen in einem Auto zu sitzen.

Während des Mittagessens zeigte er uns, dass er tatsächlich ein temperamentvoller Bursche war. Als ich ihm sagte, er sollte seine lange, hübsche Nase aus meinem Teller rausholen, war er empört und zeigt mir seine Zähne. Das musste er dann bezahlen, in dem er im Auto warten musste bis wir fertig waren. Er hüpfte wieder elegant ins Auto und ich war mir nicht sicher, ob er es als Strafe empfand ……

Wir übernachteten in einem Hotel in der Nähe von Heidelberg und auch das fand er anscheinend völlig normal. Er inspizierte sorgfältig das Zimmer, fand das Bett und haute sich rein. Gute Nacht, es war ein anstrengender Tag!

Zuhause angekommen, stellten wir ihn den drei vorhandenen Hunden im Haushalt vor: Ein älterer Afghane, eine IW-Hündin und eine uralte Whippet-Dame mit einem grossen Ego. Er fand und findet alle Hunde einfach klasse!

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Für Menschen galt dies aber nicht. So nach dem Motto „alle Leute haben bestimmt etwas Böses im Sinne und bevor sie mir was tun, warne ich sie lieber“. Er hat alle unsere Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, und zufällige Besucher angebrummt und manche haben uns für leicht bekloppt gehalten, dass wir so einen unfreundlichen Hund behalten wollten. Uns, und insbesondere Eleonora gegenüber, war er aber durchaus lieb und verschmust. Hauptsache dabei war, dass wir bloß nichts von ihm wollten.

Ich stellte zum Beispiel schnellstens fest, dass Frau Maier Recht hatte: Bürsten ging nur, halbwegs, mit Maulkorb. Er drehte fast durch, sobald ich mit einer Bürste in seine Nähe kam. Wenn wir etwas von ihm verlangten, was ihm vielleicht nicht passte, dann zeigte er uns die Zähne, knurrte uns an, oder schnappte sogar, wobei auch gelegentlich Blut geflossen ist. Es war uns schon klar, dass hier mit Vorsicht gehandelt werden sollte. Bestrafen brachte nichts, weil er sich immer mehr aufregte. Stattdessen ignorierten wir sein Verhalten einfach. Wenn er mich anbrummte, dann tat ich, als ob ich es nicht hörte. Das fand er dann allerdings merkwürdig. Dann stand er still und schaute um sich, als ob er meinte „hier stimmt was nicht, warum reagiert hier keiner?“

Langsam, sehr langsam ging es besser. Wir sahen seine Zähne weniger, wir hörten weniger Brummen und die meisten Leute konnten uns nun ohne Gefahr besuchen. Er entwickelte eine große Leidenschaft: Autofahren, egal wohin, zum Einkaufen, Tanken, aber am besten: Zum Strand oder Wald oder irgendwohin, wo man schön frei laufen kann. Das konnte Papageno von Anfang an: er lief prima ohne Leine. Ich denke, in den fast 4 Jahren, in denen wir ihn jetzt haben, habe ich vielleicht zwei mal 20 Minuten auf ihn warten müssen. Meistens sitzt er schon neben seinem geliebten Auto auf dem Parkplatz und ist leicht irritiert, dass er so lange warten musste.

Im Februar 2005 waren wir mit Papageno unterwegs in der Schweiz und wir riefen Frau Schmidlin an, dass wir ihr gerne zeigen möchten, was aus Scott geworden war. Frau Schmidlin hatte vorgeschlagen, ins Tierheim zu fahren, damit die Mitarbeiterinnen sich auch mit ihm treffen konnten. Wir hatten zwar leichte Bedenken: Wie würde er reagieren? Er würde doch nicht „denken“, dass wir ihn wieder ins Tierheim brachten? Die erste Überraschung kam als er beim Bahnhof die Stimme von Frau Schmidlin erkannte. Er hüpfte herum wie ein Wilder und als er dann endlich ausgestiegen war, umarmte er sie herzlich. Wir waren erstaunt! Aber dann kam es noch besser: Beim Tierheim angekommen stieg er wieder voller Begeisterung aus dem Auto, umarmte und küsste alle Helferinnen, und wollte unbedingt auf die Wiese. Dort drehte er ein paar Runden, stand in der Mitte auf einem Hügel und schaute uns eindringlich an. Wir standen alle herum und waren total verblüfft. Alle Bedenken, die wir hatten, verschwanden mit einem Mal. Dann ging er langsam zur Tür und wollte wieder raus. Er kam auf uns zu und setzte sich zu uns. Er wollte uns anscheinend etwas sagen. „Es war okay hier, aber ich gehöre zu Euch und jetzt gehen wir doch lieber.“ Es war wirklich rührend!
Es ist jetzt fast vier Jahre her, dass wir Papageno aus dem Tierheim holten. Wir hatten zwar ein paar Probleme mit ihm zu überwinden, aber wir haben es hinbekommen. Er macht alles mit, ist verschmust, läuft schön ohne Leine, versteht sich mit allen Hunden, klaut wie ein Rabe, lässt sich kaum bürsten, ist ungeduldig und gelegentlich ein bisschen eifersüchtig und braucht das halbe Bett (und ein eigenes Kissen) für sich selbst. Aber was soll’s: Er ist ein toller Hund, ein würdiger Nachfolger von unserem Thomas. Pro Lévrier und Tierheim ……: vielen, vielen Dank für diesen herrlichen Hund.




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