Mausi

Hallo zusammen,
seit vielen Jahren nehme ich alte, "gebrauchte", manchmal schwierige und
manchmal geschundene Hunde bei mir auf. Dazu gehört auch immer
mindestens ein Wolf. Manchmal leben diese Hunde dann nur noch ein paar
Monate, aber diese Zeit machen wir uns schön. Anfang 2003 sind erst
unser Neufundländermischlingsopa und dann unsere Wolfshündin gestorben
und die übriggebliebene Borderterrierhündin litt mit meinem, damals noch
lebenden, Mann und mir gemeinsam. Also ließ ich mich mal wieder bei WiN
auf die Wolfsliste setzen.
Frau Bartholomes hat uns dann nach einiger Zeit angerufen und von
Barbie, einer Wolfshündin, gut sechs Jahre alt, durch mindestens sechs
Hände und vier Zwinger gegangen und zu dem Zeitpunkt vorübergehend bei
einem jungen Mann in Gotha untergebracht, erzählt. Alle wölfischen
Vorgängerinnen und Vorgänger von Barbie sind bei uns nur gerade eben
fünf Jahre alt geworden, und so haben wir uns auf den Weg nach Gotha
gemacht und gedacht, das wird wieder nur eine recht kurze schöne Zeit geben.
Falsch gedacht!
Der junge Mann, der meine Mausi, wie sie schon lange heißt, bei sich
untergebracht hatte, war ein ganz furchtbar Netter. Ihm lag sehr viel an
dem Wohlergehen des Hundes und wir haben einen Nachmittag zusammen
verbracht, die Mausi mit unserer Käthe zusammengeführt und dann beide
eingeladen um nach Hamburg zurückzufahren.

Der Hund war sehr
misstrauisch, nach den vielen Wechseln keine wirkliche Überraschung, sie
hat sehr lange gebraucht um nicht bei jeder Autofahrt an einen erneuten
Wechsel zu denken. Wir haben häufig beobachtet, daß sie bei einer
Rückkehr nach Hause total erleichtert war, wieder hier angekommen zu sein.
Mausi und ich haben menschlich sehr schwere Zeiten durchgestanden und
sie ist mir immer eine feinfühlige Hilfe gewesen. Sie ist mit meinen
Enkelkindern der wunderbarste Hund, der vorstellbar ist, immerhin ist
sie jahrelang deutlich größer als diese kleinen Menschen, aber kein Kind
hat Angst vor ihr, sie strahlt so viel Vorsicht und Friedfertigkeit aus,
daß alle Kinder sie lieben.
Meine "Alte" war auch schon lebensbedrohlich erkrankt und sie und ich
haben einige Tage und Nächte auf dem Fußboden der Tierarztpraxis
verbracht, nicht zuletzt deshalb sind wir Beide eng zusammengewachsen.
In den letzten Jahren ist mein sogenannte Opaplatz von zwei
Herdenschutzhundveteranen besetzt gewesen und Mausi hat als
uneingeschränkte Rudelchefin jeden alten, schwierigen Sack erfolgreich
eingenordet.
Meine Mausi ist jetzt elfeinhalb Jahre alt, ja ich wiederhole 11,5 Jahre
alt, und es geht ihr gut.

Sie bekommt das volle Herz- und
Schmerzmedikamenteprogramm, biiiitte nicht darüber nachdenken, was das
kostet, sie hat ein paar Probleme mit ihrem hinteren Drittel, aber das
ist nur tageweise hinderlich beim Treppesteigen (vier Stufen in den
Garten, im Haus geht sie vernünftigerweise schon seit Jahren nicht mehr
ins Obergeschoß, Mausi und der jeweilige Opa schlafen immer unten),
manchmal auch gar nicht, zum Beispiel wenn sie den Rasen krähenfrei
halten muß.
Zusammengefaßt, sie ist ein reiner Glücksfall für mich, zwar werden
unsere Runden kürzer und vor allem langsamer, aber sie ist immer
interessiert, hat auch schon noch mal was zu meckern, aber frißt gut,
verdaut gut und ich habe unglaublich viel Freude an und mit meiner Mausi.
Weiterhin viel Erfolg bei der Vermittlungsarbeit, viel Kraft für das
Aushalten des Elends und vor allem vielen Dank für erfolgreiche
Zusammenführungen von Hunden und Menschen.
Liebe Grüße
Ute Lohmeyer-Schwandt
Nachtrag November 2009
Nun ist meine Mausi tot.
Sie ist 12 Jahre und 3 Monate alt geworden und
ich bin sehr traurig.
Aber ich bin auch froh, daß sie ein so langes Leben
gehabt hat und wir beide eine so lange, schöne Zeit miteinander teilen konnten.
Ich habe schon viele Hunde im Haus gehabt, aber das erste Mal miterlebt, wie ein
so großer Hund alt geworden ist. Der langsame Abbau des Körpers, das langsame
Einstellen der Vitalfunktionen. Der Ablauf ist wohl bei allen Säugetieren
(Menschen eingeschlossen) gleich. Mausi ist in den letzten Monaten und besonders
in den letzten Wochen körperlich immer schwächer geworden und damit verbunden
auch immer dünner, ihr Kopf war allerdings klar und in Ordnung bis zum letzten
Tag. Sie wollte nicht mehr fressen (das haben wir noch einige Wochen mit
Käsebrötchen, Leberwurstbroten und Keksen hinausgezögert) und zuletzt konnte sie
kaum noch aufstehen. Ihre Hinterhand war fast immer zu schwach. Ich habe bis zu
dem Tag gewartet, an dem sie mir, nach einer sehr schwierigen Nacht (sie hat
neben mir gelegen), morgens mit dem Blick gesagt hat "ich kann nicht mehr" um
den Tierarzt ins Haus zu rufen, damit er sie einschläfert. Sie ist nicht mehr
aufgestanden und war ganz ruhig. Wir haben sie zu zweit gestreichelt und sie
gehen lassen.
Mit traurigen Grüßen
Ute Lohmeyer-Schwandt