Es stimmt, wenn Sie keine einzige Erinnerung an diese alte Whippet-Hündin haben: Iris war nie auf unserer Seite. Sie wurde wirklich schweren Herzens von ihrem Besitzer abgegeben, zusammen mit mehreren Salukis. Iris war ein echter Pechvogel. Der Besitzer, der sie abgeben musste, hatte sie vor einigen Jahren in ziemlich katastrophalen Zustand aus einem Tierheim geholt und sie mit Liebe und Geduld gesund gepflegt. Und als ihr Leben dann endlich in Ordnung schien, schlug das Schicksal wieder zu. Zum Glück landete sie bei uns. Wir suchten für Iris ein neues, liebevolles Zuhause, möglichst mit männlicher Whippetgesellschaft. Iris hatte nämlich mit Hündinnen wenig am Hut.Aber dann, kaum drei Wochen nachdem Iris auf unserem Pflegeplatz ankam, meldete sich die perfekte Familie für sie. Als Elis, oder sogar Lisi, erfährt sie, dass man als Hund nie zu alt ist, geliebt zu werden und glücklich zu sein:
Lisi, my
love……
Jedes Mal, wenn einer meiner Hunde mein Leben verläßt, denke ich, es schmerzt so sehr, dass ich das nicht noch einmal erleben möchte.
Aber ein Leben ohne meine doggies kann ich mir auch nicht vorstellen. Vor allem, wenn sie älter werden, entwickelt sich eine Innigkeit, die so intensiv ist, dass ich mir manches Mal wünsche, ein Mensch würde so wenige Worte und Gesten brauchen, um mir so viel Nähe zu geben.
Als Elise dreizehnjährig in unser Leben kam, war jeder entsetzt, dass wir uns „so ein vollkommen abgemagertes Whippet - Klappergestell dieses Alters“ zugelegt hatten. Als Anette mir ein paar Tage zuvor per email Bilder von ihr sandte, war für mich von der ersten Sekunde an klar, dass Elise in unsere Familie gehört, und zwar für immer.

Abgesehen davon schien es mir, als ob sie uns nicht verstehen würde – rein „sprachlich“ meine ich. Unser zweiter Whippet Falli, ein kerngesunder zwölfjähriger Klassenclown voller Kraft und Lebenslust zeigte deutlich, dass er seit gut 10 Jahren bei uns wie die Made im Speck lebt, drei mal am Tag zu fressen bekommt, im Winter einen Wams gegen Kälte trägt und noch nie geschlagen wurde – jedenfalls nicht, seit dem er bei uns lebt. „Es geht mir fantastisch, Leute“ sprüht bei ihm aus jeder einzelnen Pore und sein Vertrauen zu mir ist grenzenlos.
In den acht Monaten bei uns hat Elise fünf Kilo zugenommen. Ihr knöcheriger Hintern ist ein wenig runder geworden, ihr Fell glänzt wie eine Speckschwarte und sie hat Momente, in denen ich mir einbilde, dass ihre Augen ein wenig Glück zeigen und Geborgenheit. Sie vertraut mir schon viel mehr und sucht ununterbrochen meine Nähe. Aber nicht nur ihr kleiner zarter Körper zeigt diverse Narben. Wenn ich neben ihr liege und sie streichele, fühle ich diverse Knochen, die schief zusammengewachsen sind. Da sie manchmal, wenn sie auf dem Rücken liegt, laut aufschreit, wenn sie aufstehen möchte, machte ich mir Sorgen und ließ sie röntgen. Mein Tierarzt zählte allein sechs auffällig schlecht zusammen gewachsene Brüche. Längere und kürzere Narben sind ebenso vorhanden, wie eine panische Angst vor Kindern unter 10 Jahren und allen größeren Gegenständen. Auch unter einer größeren Anzahl Hunden fühlt sie sich nicht wohl. Sie ist am liebsten mit Falli und mir allein.

Elise`s Schicksal, von dem ich nur kleine Bruchstücke kenne, berührt mich unglaublich. Sie ist so eine zarte, sensible Kreatur. So geschunden, verprügelt und immer wieder verletzt – seelisch wie körperlich.
Ich erzähle ihr jeden Tag, dass sie für immer bei uns bleibt und dass alles so geborgen und zärtlich bleibt, wie es ist. Ich liebe sie genauso wie Falli, unseren Klassenclown. Und ich wünsche uns, dass es noch viele Jahre geben wird, in denen sie entspannt, geliebt und geborgen leben wird.
Für mich stehen jedenfalls mindestens zwei Dinge fest: Erstens, die große Hochachtung vor Anette und Rina, die durch ihr liebevolles und feinfühliges Engagement unglücklichen, hilflosen Wesen zu einem Leben in Geborgenheit und Liebe verhelfen. Wenn die Beiden sehen könnten, was aus Lisi geworden ist und wie sie lebt, gäbe das ihnen Kraft für weitere zwanzig Jahre für Windhunde in Not.
Und zweitens: Irgendwann werden mich Falli und Lisi verlassen. Ein Gedanke, der mir unerträglich ist und mir jetzt schon so weh tut, dass ich noch intensiver jede Sekunde mit meinen Whippi´ s genieße.
Aber wenn es einmal so weit sein wird, weiß ich, dass für ein Whippchen in Not ein Platz in meinem Leben frei sein wird.
Auch, wenn Kleinmausi dreizehn Jahre alt ist………..
