Hin
und her gerissen, ob ich nach dem Tod meiner italienischen
Windspielhündin „EIKE“ (Mix) wieder eine „neue“ treue Begleiterin zu
mir nehmen soll, nahmst du mir nach einer schlaflosen Nacht, aber auch
nach dem fast täglichen, dreimonatigen Betteln meines Patenkindes
André(11 Jahre) die Entscheidung ab. Denn auf einmal fand ich dich per
Internet bei
http://www.windhunde-in-not.org/ItalienischesWindspiel.html.
So wurdest du uns vorgestellt:
Die
kleine Windspiel-Mix-Hündin Joy kam ursprünglich aus Spanien. Jetzt
sucht sie ein neues Zuhause, weil sich ihre Familienverhältnisse so
verändert haben, dass sie täglich viele Stunden alleine sein müsste.
Joy ist 3 ½ Jahre alt und eine Diva. Sie weiß sehr genau, was sie will:
liebevolle Menschen, die ihr ausreichend Schmuseeinheiten und viele
kuschelige Plätze bieten, aber auch mit ihr Ball spielen und sie
ausreichend rennen lassen! Sie braucht sehr viel Bewegung, läuft ungern
an der Leine und es ist im Freien kein Problem, sie abzuleinen. Sie ist
ein idealer Begleithund für sportlich aktive Menschen, z.B. auch für
Jogger. Verträglich ist sie auch mit Kindern, mit Hunden (aber bitte
keine Hündinnen in ihrer Familie), mit Kleintieren aller Art.
Die
Kleine braucht aber auch eine konsequente Führung und klare
Kommando-Ansagen. Joy war sogar in der Hundeschule! Windspieltypisch
ist Joy 38 cm groß und wiegt 6 kg. Windspiel-untypisch: sie ist absolut
stubenrein, kann auch ein paar Stunden alleine bleiben, ohne dass die
Wohnungseinrichtung leidet, und schläft nur ganz selten im Bett. Sehr
gerne hätte sie wieder einen Garten zum Toben.
Könnten Sie diesen Ansprüchen gerecht werden? Dann melden Sie sich bei uns!
Joy: der Name verspricht, was er bedeutet:
„Viel Freude kommt in unser Leben“
Nachdem
ich fast vier Wochen bei meinem Pflegefrauchen „Heike“ in Pension war
(Hierfür sei ihr auf diesem Wege noch ein „Herzliches Dankeschön!“
übermittelt.), sollte Freitag, der 25. Januar 2008, ca. 16.15 Uhr ein
weiterer bedeutender, neuer Lebensabschnitt in meinen bisherigen 3
1/2jährigen weiblichen Hundedasein beginnen.

Mit
lautem, energischem und nicht gerade freundlichem Gebell fand die erste
Begegnung mit einem (neuem?) Frauchen und Herrchen statt. Aber
irgendwie ließen sich diese beiden Zweibeiner gar nicht von meinem
Gebell einschüchtern, sondern nahmen zuerst einmal auf „meinem“ Sofa
Platz. Letztendlich war meine Neugierde größer als meine bellende
Klappe und mit einem kurzem Hüpfer saß ich zwischen André, einem
11jährigem Jungen und seiner Patentante, Bine. Allerdings, die so
genannte gegenseitige „Liebe auf dem ersten Blick“ fand zuerst einmal
zwischen André und mir statt. Denn schließlich machte ich in meinem
vorherigen Zuhause bereits positive Erfahrungen mit Kindern, u. a.
einer der Erfahrungen war/ist, dass Kinder sich selten waschen. So auch
dieser Junge, dem ich mit treuem Blick und mit meinem langem, feuchten
„Waschlappen“ den Dreck aus/um das Ohr ableckte. Außerdem bringe ich
mit Kindern „Spielen“, neben dem Fressen einer meiner
Lieblingsbeschäftigungen immer in Verbindung. Dieses wurde auch gleich
zwischen uns mit einer von mir zerfetzten Toilettenpapierrolle in die
Tat umgesetzt.
Aller Abschied ist schwer! Allerdings zeigte sich
dieser nur auf der menschlichen Seite. Mit Sack und Pack trug mein
trauriges Pflegefrauchen mich in ein Auto. Zu meinem Erstaunen lag auf
der hinteren PKW-Ablage eine bequeme, große Matratze mit einer großen
Wolldecke für mich parat. Allerdings musste ich erst einmal mit einer
großen Wühlaktion alles in (Un-)Ordnung bringen. Je länger die
Autofahrt dauerte, desto näher pirschte ich mich nach vorne. Von der
Ablage auf die Rücksitzbank und von dort dann zum Schluss auf den
beheizten Beifahrersitz neben André.

Endlich
angekommen in meinem neuen Zuhause (= Hauptwohnsitz), wurden zuerst
einmal alle Räume der großen Wohnung beschnüffelt. Und stellt euch mal
vor, liebe/r Leser/in in jedem Raum (einschließlich der Badgarnitur!)
gibt es einen schönen, ausgewiesenen Platz für mich. Das Beste
allerdings ist natürlich der Platz in der Küche auf einem Sofa. Wer hat
schon ein Sofa in der Küche? Bei den Mahlzeiten habe ich somit den
vollen Überblick was der Speiseplan hergibt. Übrigens, in einem
unbeobachteten Augenblick bin ich in der Lage blitzschnell mir etwas
vom Tisch zu stibitzen. Aber inzwischen werden von den menschlichen
Zweibeiner bezüglich der Speisen auf dem Tisch immer gewisse
Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
Was gibt es denn noch so weiteres
von meinem neuem Hauptwohnsitz zu berichten? Für mich gibt es eine auf
meiner Höhe große, extra eingerichtete Hundeschublade im Flur der
Wohnung. Und stellt euch vor, mit meiner kleinen Hundeschnauze schaffe
ich es, diese mit wenig Anstrengung zu öffnen. Inhaltlich ist dieses
neben dem Kühlschrank die zweitgrößte Schatzkiste mit vielen Leckereien
für mich. Zu meinem Leidwesen ist auch in diesem Fall keine
Selbstbedienung zu jeder Tag und Nachtzeit vorgesehen!

Gewisse
Regelmäßigkeiten in meinem neuen Tagesablauf gibt es selbstverständlich
auch für mich: Neben dem täglichen guten Morgen-/Nacht – Kuscheln,
einem großem tempohaltigem Spaziergang mit meinem neuem Frauchen, dass
ich inzwischen auch in meinem Herzen mit Liebe aufgenommen habe, warte
ich jeden Mittag auf der Fensterbank, dass mein neues Herrchen, André
aus der Schule kommt. Sobald meine zwei Augen ihn erblicken,
veranstaltet mein Hinterteil nebst Schwanz einen wahren Freudentanz.
Bereits ausgerüstet mit Halsband und Leine werde ich dann gegen den
Schulranzen zum Gassigehen durch das Fenster (natürlich aus dem
Erdgeschoss) ausgetauscht. Allerdings die Entleerung meiner Blase
erfolgt dann im Schnelldurchgang, denn schließlich wartet im
Kinderzimmer ein Schulranzen auf mich. Jetzt stellt sich natürlich die
Frage: „Was ist so Interessantes an diesem Schulranzen?“ Nicht die zu
machenden Hausaufgaben, sondern eine große bunte Dose erregt meine
intensive, schnüffelte Aufmerksamkeit. Voller Ungeduld springe ich hin
und her, hoch und runter mit der Gewissheit, dass der restliche
brotliche Inhalt in meinem gefräßigen Magen verschwindet.

Nach
dem Mittagessen (u. auch zu anderen Zeiten) gibt es zu meiner Freude
eine für mich viel zu kurze Spielrunde mit meinem heißgeliebten
Quietscheball. Spätestens dann, wenn dieser Ball auf einmal spurlos
verschwunden ist, kann ich und auch André davon ausgehen, dass es jetzt
an der Zeit ist, sich dem Ernst des Lebens, den lästigen Hausaufgaben
zu widmen! Aber zum Glück schaffe ich es immer wieder meinem treuen,
liebevollen Blick aufzusetzen, so dass André schnell von den
Hausaufgaben abgelenkt ist und er seine volle Aufmerksamkeit wieder mir
widmet. Doch ehe ich so richtig wieder auf meine wilden Touren komme,
ertönt aus dem Hintergrund die ermahnende Stimme meines Frauchen „Die
Hausaufgaben erledigen sich nicht von alleine!“ Für „quietschende“
Pausen und so manches Leckerli zwischen den menschlichen Tätigkeiten
bleibt zu unserer aller Freude immer noch Zeit.
Die Primäre des Alleinseins für einige Stunden habe ich damit
verbracht, dass ich die Leberwurstpelle vom Küchentisch in das
Wohnzimmer trug, um sie dort vor der warmen Heizung genüsslich sauber
zu lecken. Immerhin kann so jeder von mir reinlich geleckter Behälter
(z. B. Jogurtbecher), sofort zur direkten Entsorgung in den gelben Sack
geworfen werden.
Joy - Freude bedeutet aber auch eine erste
Schreckenszeit! Was ich dem/der Leser/in nicht vorenthalten möchte, ist
natürlich mein erstes großes selbständiges Abenteuer hier in dieser
kleinen lippischen Kurstadt. So geschah es, das ich bereits nach einer
langen anstrengenden Tour am dritten Abend meinen neuen menschlichen
Artgenossen zeigte, welche Geschwindigkeiten so eine kleines 3
1/2jähriges Windspiel mit meinen flinken Beinen zu Wege bringt. Aus
unvorhergesehenen Gründen schaffte ich es in der Dunkelheit, mich samt
meiner Ausziehleine loszureißen und so schnell zu rennen, dass
menschliche Beine mir nicht mehr folgen konnten. Irgendwie standen
meine Ohren auf Durchzug, denn trotz allem Zurufen zeigte ich zuerst
einmal überhaupt kein Interesse meinen

Rückwärtsgang
einzulegen. Jedenfalls schaffte ich es durch mein Ausreißen, Frauchen,
Herrchen und Freunde den ersten großen Schrecken zu verpassen. Ich, der
kleine Wirbelwind war auf einmal allein in einem unbekannten Städtchen
unterwegs. „Oh, je!“ Aber im Nachhinein erfuhr ich, dass eine mit 3
Autos durchgeführte Suchaktion sofort gestartet wurde. Tief betrübt und
mit manch einer Träne in den Augen sandten die Suchenden so manches
Gebet zu unserem Vater im Himmel. Nach ca. einer ½ Stunde des Suchens
kam mein Frauchen auf die Idee, noch einmal die Strecke abzufahren, die
wir vorher gemeinsam zu Fuß gelaufen sind. Und siehe da, nach einigen
gefahrenen Metern kam ein glücklicher Ausruf meines Herrchen: „Da sitzt
sie einsam und verlassen! Verloren und nicht abgeholt!“ Schnell wurde
das Auto gewendet, ein tief erleichtertes Kind nebst Frauchen freute
sich riesig, als ich mit einem Satz ins Auto sprang. Schnell wurde die
Freude über das meinige Auffinden per Handy allen Suchenden mitgeteilt.
Anschließend fand noch eine große quietschende Spielparty mit den
Suchenden in meinem ersten Zuhause statt! Es ist alles gut gegangen.
„Gott sei Dank!“
Im Gegensatz zu vorher, lebe ich jetzt auf dem
Lande. Was mir auffällt, ist dass hier die Luft kälter ist und ich hier
vielen meiner Artgenossen begegne. Innerhalb weniger Tage ist mein
Bekanntheitsgrad hier in der Straße durch mein ständiges heftiges
Anbellen aller großen und kleinen Hunde kräftig angestiegen.
Neben
meinem Hauptwohnsitz (= 2. Zuhause von André) besitze ich noch
zeitweise einen Nebenwohnsitz bei meinem Herrchen André. Immerhin hat
dieser neben den Eltern, noch zwei Brüder, die ebenfalls alle versuchen
meinen intensiven Spiel- und Beschäftigungstrieb gerecht zu werden.

Inzwischen
bin ich 10 Tage in meinen neuen Zuhause(n). Viele Gerüche, viel Neues,
viel Freude, große Dankbarkeit wird mich und meine Mitmenschen
begleiten. Inzwischen habe ich mich so richtig eingelebt! Kleine
„Kunststücke“ und nicht zu vergessen, die Anstandsregeln eines Hundes
werden mir mit viel menschlicher Geduld beigebracht. U. a. gebe ich
inzwischen ein Pfötchen für ein Leckerli. Doch am Besten finden wir,
dass ich inzwischen ohne Hundeleine in der freien Natur auskomme. Hin
und wieder erblicken meine Adleraugen einen Vogel im Gebüsch! Dann auf
einmal versuchen meine Hinterbeine dann die Vorderbeine zu überholen,
damit ich dieses fliegende Etwas fange!? Doch mit einem jeglichen Pfiff
aus der Trillerpfeife wird dann leider meine wilde Jagd unterbrochen,
denn dieses ist für mich das Signal zu meinen/m Frauchen/Herrchen
zurückzukommen. Was ich bis jetzt auch immer öfters mache. ….